Professorin Ayako Takao berichtet aus Krisengebiet

(Ute Flamich / 18.03.11 / OTZ)
Die japanische Professorin Ayako Takao (r) besuchte im August vergangenen Jahres die Bio-Landschule in Langenwetzendorf. Nach der Katastrophe in Fukushima übernachten sie und ihre Tochter derzeit in einer Stadt, die 500 Kilometer entfernt von Fukushima liegt.

Ayako Takao ist Professorin an der Ferris University im japanischen Yokohama. Im August vergangenen Jahres war sie, ihre achtjährige Tochter Marina und das befreundete Lehrer-Ehepaar Tatsuo und Shiho Yamada aus der japanischen Stadt Hamamatsu zu Besuch an der Bio-Landschule in Langenwetzendorf.
Langenwetzendorf/Nagoya-Aichi. Dort informierten sie sich über die Umsetzung des Konzeptes „Bildung für nachhaltige Entwicklung (2005 bis 2014)“. Das soll Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen nachhaltiges Denken und Handeln vermitteln.

Längst ist sie zurück in ihrer Heimat, in der sich seit Freitag, dem 11. März, alles verändert hat: Einem Erdbeben der Stärke 9,0 folgte eine etwa zehn Meter hohe Flutwelle, die die Ostküste Japans traf und das Kernkraftwerk in Fukushima schwer beschädigte. Seitdem kämpft man in Japan jeden Tag verzweifelt gegen die immer bedrohlicher werdende Atomkatastrophe.

In einer E-Mail an OTZ von gestern schreibt Ayako Takao, die Deutsch spricht, über ihre Erlebnisse und Eindrücke nach der Katastrophe in ihrer Heimat. „Glücklicherweise sind meine Familie, Freunde, Kollegen und ich hier in Japan bislang ziemlich sicher und haben keine Schäden aus Erdbeben, Tsunami und Radioaktivität. In diesen letzten Tagen haben wir im Großraum Tokio und Yokohama aber sehr große Angst vor der atomaren Strahlung aus Fukushima. Alle Maßnahmen zur Kühlung der Reaktoren haben bis jetzt nichts gebracht. Wenn das schlimmste Szenario wahr wird, und es zu gleichzeitigen Explosionen in allen Reaktoren kommt, wird die atomare Strahlung aus Fukushima einen Tag später den Großraum Tokio und Yokohama erreichen“, schreibt sie und informiert, dass viele Bewohner dort bereits flüchteten, die Bahnhöfe überfüllt seien.
Ihre achtjährige Tochter Marina und sie übernachten seit gestern bei Verwandten in Nagoya-Aichi. Die Großstadt liegt etwa 500 Kilometer entfernt von Fukushima. „Mein Mann, Feuerwehrmann in Tokio, muss weiter in Tokio bleiben, um seine Arbeit für die Sicherheit durchzuführen. Viele andere Leute bleiben auch immer noch da“ heißt es in ihrer E-Mail. Sie schreibt, dass sie sehr traurig sei, dass ihre Familie getrennt sein muss, aber viele andere Japaner hätten ja noch viel Schlimmeres erlebt. „Es sind sehr sehr viele Leute ums Leben gekommen und liegen immer noch unter dem Boden. Es gibt wenig Essen und Benzin. Strom ist ab und zu abzuschalten. Auf den Straßen gibt es hier und dort Staus.“

Schwierig sei auch, dass der japanische Kernkraftbetreiber „Tepco“ und die japanische Regierung nicht gut kooperieren. „Ich versuche nun auf eigene Faust, richtige, ausführliche, klare Beschreibungen und Prognosen über die Angelegenheit zu bekommen, insbesondere sachliche Daten über Menge, Geschwindigkeit und Verbreitungsgebiet der Radioaktivität.“

„Ich habe schon ein paar Mal an unsere ehemaligen Gäste aus Japan gedacht natürlich!“, sagte Monika Groll, Leiterin der Bio-Landschule. „Japan hat mit ihnen ein Gesicht bekommen“, sagte sie und erzählte, dass die Geschehnisse auf dem viertgrößten Inselstaat der Welt kein aufgesetztes Thema in der Schule seien. Natürlich werde darüber gesprochen, diskutiert und die Fragen der Schüler werden beantwortet, das ergebe sich aber ganz automatisch, sagte sie.

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